Curated by Evelina Rapti-Stavrou
Suburbia Contemporary
Spinnerei Leipzig
27.6 – 18.7.2026
ENG
Featuring Louisa Pieper and Daniel Theiler, the exhibition Late Check Out, brings together two artistic approaches that take familiar objects, images and visual habits, exaggerate them and ultimately transform them. The exhibition space thus changes into a space for negotiating alternative conceptions of reality that oscillate between garishly colorful utopia and subtle dystopia.
Both Piper’s and Theiler’s work is characterized by a polychromatic, luminous color palette that immediately captivates the viewer. Yet the works are never purely decorative. Rather, they are shaped by contemporary social tension, with the aspect of technology coming particularly to the fore.
These works emerge against the backdrop of a present that is permeated and shaped by technological systems. Nature, in particular, is increasingly viewed as something that can be shaped – it is bred, optimized and molded.
We find ourselves in a present that promotes both progress and freedom, yet at the same time reproduces and exacerbates existing power structures.
Both artistic approaches explore how we can engage in a dialogue with these current issues and what visions of the future emerge from them. However, they do not paint a clear-cut picture. Rather, they identify present conditions and playfully explore potential scenarios. A space unfolds that allows us to engage with these tension-filled questions with ease, while at the same time savoring the joy of exploring connections, associations, colors and form.
The work of Louisa Pieper (b. 1997) featured in the exhibition takes an autobiographical approach to everyday, mostly technological objects.
Pieper describes herself as a cyborg, a being composed of a biological organism and technological components. Due to her hearing disability and the use of hearing aids, the artist is inevitably confronted with objects that intrude disruptively into her daily life. Thus, induction stoves, telephones and headphones become unwanted adversaries that interfere with her hearing aids. Pieper incorporates these objects into her artistic practice, transforming them with bold colors and thereby confronting them.
By using fabric as base and filling the paintings with foam, the artist creates an extremely tactile effect in her work. In addition, the material absorbs sound, thereby dampering the volume in the exhibition space, reducing noise and making conversations easier to understand.
Pieper raises awareness for people with hearing disabilities and tackles the question of how to incorporate better accessibility into everyday life and the art world.
The German-Turkish artist Daniel Theiler (b. 1981) lives and works in Berlin. Taking political and socially relevant issues as his starting point, Theiler translates them into his cross-media artistic practice. Architectural elements, (pop)cultural images and abstract forms intertwine in his work, with playful exploration consistently serving as a criticl tool.
In Late Check Out, his hybrid, installation-based objects – the Theilies – take center stage in various forms. They captivate with their visual appeal and draw on flora, fauna and pop-cultural elements in their design. Theiler bridges the gap between artificiality and the concept of nature, as Theilies take elements from the seemingly natural world, reinterpret them significantly and transform them into technically reproducible units. With a hint of irony, they allude to a post-natural, simulated world.
In their collective, variable arrangement, they also arise social questions about belonging, identity and norms.
Text by Franziska Henke
DE
Mit Louisa Pieper und Daniel Theiler vereint die Ausstellung Late Check Out zwei künstlerische Positionen, die vertraute Gegenstände, Bilder und Sehgewohnheiten aufgreifen, zuspitzen und schließlich transformieren. Der Ausstellungsraum wandelt sich so zu einem Aushandlungsraum alternativer Wirklichkeitsentwürfe, die zwischen quietschbunter Utopie und subtiler Dystopie oszillieren.
Sowohl Piepers als auch Theilers Arbeiten sind von einer polychromen, leuchtenden Farbpalette geprägt, die die Betrachtenden unmittelbar in ihren Bann zieht. Dennoch bleiben die Werke nie rein dekorativ. Vielmehr sind sie von gegenwartsbezogenen gesellschaftlichen Spannungszuständen geprägt, wobei insbesondere der Aspekt der Technologie in den Vordergrund rückt.
Die Arbeiten entstehen vor dem Hintergrund einer Gegenwart, die von technologischen Systemen durchdrungen und geformt wird. Insbesondere die Natur wird zunehmend als etwas Gestaltbares verstanden, sie wird gezüchtet, optimiert und geformt.
Wir finden uns in einer Gegenwart wieder, die Fortschritt und Freiheit propagiert, zugleich jedoch bestehende Machtverhältnisse reproduziert und verschärft.
Beide künstlerischen Positionen stellen die Frage, wie wir mit diesen aktuellen Themen in einen Dialog treten können und welche Zukunftsvisionen sich daraus ergeben. Dabei wird jedoch kein eindeutiges Bild gezeichnet. Vielmehr werden gegenwärtige Zustände erkannt und potenzielle Szenarien spielerisch ausgelotet. Es entfaltet sich ein Raum, der dazu einlädt, sich diesen spannungsvoll aufgeladenen Fragestellungen mit Leichtigkeit zu widmen und zugleich die Lust am Erkunden von Zusammenhängen, Assoziationen, Farben und Formen auszukosten.
Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten von Louisa Pieper (*1997) befassen sich in einem autobiografisch geprägten Ansatz mit alltäglichen, meist technologischen Gegenständen. Pieper bezeichnet sich selbst als Cyborg, als ein Wesen, das sich aus biologischem Organismus und technologischen Komponenten zusammensetzt. Durch ihre Hörbehinderung und das Tragen von Hörgeräten ist die Künstlerin unweigerlich mit Objekten konfrontiert, die störend in ihren Alltag eingreifen. So werden Induktionsherde, Telefone und Kopfhörer zu unerwünschten Gegenspielern, die ihre Hörgeräte beeinträchtigen. Pieper nimmt diese Objekte in ihre künstlerische Praxis auf, überformt sie in kräftigen Farben und stellt sich ihnen so entgegen.
Durch die Verwendung von Stoff als Trägermaterial und das Befüllen der Bilder mit Schaumstoff entfaltet die Künstlerin in ihren Arbeiten eine ausgeprägt taktile Wirkung. Zugleich absorbieren die Werke Schall, wodurch die Lautstärke im Ausstellungsraum gedämpft, Lärm reduziert und Gespräche leichter verständlich werden.
Pieper schafft Aufmerksamkeit für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und wirft die Frage auf, wie mehr Barrierefreiheit in Alltag und Kunstbetrieb integriert werden kann.
Der deutsch-türkische Künstler Daniel Theiler (*1981) lebt und arbeitet in Berlin. Ausgehend von politischen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen übersetzt Theiler diese in seine medienübergreifende künstlerische Praxis. Architektonische Elemente, popkulturelle Bilder und abstrahierte Formen greifen in seiner Arbeit ineinander, wobei das spielerische Erkunden kontinuierlich als kritisches Werkzeug fungiert.
In Late Check Out stehen seine hybriden, installativen Objekte, die Theilies, in unterschiedlichen Ausformungen im Zentrum. Sie bestechen durch ihre visuelle Anziehungskraft und greifen in ihrer Formgebung auf Flora, Fauna und popkulturelle Elemente zurück. Theiler spannt den Bogen zwischen Künstlichkeit und Naturvorstellung, indem die Theilies Elemente der scheinbar natürlichen Welt aufgreifen, maßgeblich umdeuten und in technisch reproduzierbare Einheiten überführen. Mit einem Augenzwinkern verweisen sie auf eine postnatürliche, simulierte Welt.
In ihrer kollektiven, variablen Anordnung werfen sie zudem gesellschaftliche Fragen nach Zugehörigkeit, Identität und Normen auf.
Text von Franziska Henke